Dienstag, 11. November 2014

riesenhunger oder das geheimnis richtig guter steinröstknödel

 
Es lebten einst ein großer und ein kleiner Steinbeisser-Riese in den lichten und duftenden Wäldern von Hollerbürgen.


Sie lebten in einer großen Höhle, in der sie es sich mit allerlei Laubwerk und Moos äußerst gemütlich gemacht hatten. Im Sommer schliefen sie manchmal vor der Höhle und genossen die Kühle des Waldbodens und hörten dem beruhigenden Geplätschers des kristallklaren Bergbaches in ihrer Nähe zu.

  
Dabei konnte man vorzüglich einschlafen, fand der kleine Riese. Im Winter jedoch, wenn es bitterkalt war, heizten sie ordentlich ihren Ofen, erzählten sich Geschichten und tranken Zwiebelkrauttee, ein wahres Wunderkraut, sage ich Euch. Beide liebten es sehr wenn die Sonne durch die Wipfel in ihre Höhle fiel und die Tautropfen sachte auf ihr Dach tropften. Dann lagen sie in ihrem Blätterbett und überlegten was sie Schönes unternehmen könnten. Es gab ja so viele Möglichkeiten: Bäumerollen, Waldseebaden, Moosflechten, Blätterpuzzeln, Versteckenspielen, Staudammbauen. Wie sollte man sich da entscheiden?

  
Ihre zweite Lieblingsbeschäftigung war das Essen. Aber leider war es manchmal so, dass dem großen Riesen Dinge schmecken, bei dessen bloßer Anblick es dem kleinen Riesen das dünne Barthart kräuselte. 

   
Jeder hatte natürlich auch seine Lieblingsspeise. Der große Riese liebte buntes Pilzallerlei. Der kleine Riese mochte geröstete Steinknödel für sein Leben gern. Ich mögt Euch jetzt fragen was Steinknödel sind. Ihr könnt es Euch nicht vorstellen? Nun, Steinbeisser-Riesen sind groß und haben so starke und große Zähne, dass kleine und große Steine wahre Leckerbissen für sie sind. Ihr glaubt mir nicht? Dann hört weiter zu. 

  
Das Problem bei der Steinknödelsache war, dass das Zubereiten äußerst zeitaufwendig und mühsam war. Daher konnte er höchstens, aber auch nur allerhöchstens, einmal im Monat den großen Riesen überreden, sein Lieblingsessen zu machen.
  
Es fing schon damit an, dass Steinknödel nicht einfach so zu kaufen waren, wobei die Hollerbürger-Steinbeisser-Riesen weder Geld kannten, noch überhaupt je ein Geschäft gesehen hatten. Also mußte man Steinknödel im Wald suchen. Aber die lagen auch nicht einfach auf dem Waldweg herum. Manchmal suchten sie mehrere Stunden für zwei große Portionen. Riesen brauchen viel zu essen und große Portionen. Dabei wühlten sie mit Händen und Füßen in der Walderde oder hielten im Bergbach Ausschau nach den seltenen Köstlichkeiten. Am liebsten aber mochte der kleine Riese sie nicht im Ganzen, sondern in Stücken. 

  
Und hier begann der wirklich mühsame Teil dieses Essens. Denn Steinknödel, wie der Name schon sagt, bestehen aus Stein, nun, einem besonderen Stein, und diesen konnte man nicht einfach mit einem Messer zerteilen oder mit der Hand auseinanderbrechen. Und zu groß, um einfach so in den Mund zu nehmen. Nein, so einfach war das nicht. Lange hatte der große Riese gebraucht um das Geheimnis des Knödelteilens herauszufinden. Aber irgendwann hatte er herausgefunden, dass man sie einen steilen Berg hinunterschubsen mußte, wobei sie unten angekommen in viele Teile zerfielen.
 


  
Jedes Mal wenn sie oben auf einem Berg standen und die Knödel rollten, hüpfte der kleinen Riese von einem Fuß zum anderen, dass der Waldboden nur so bebte und quietschte vor Vorfreude und Begeisterung angesichts der bald unten zerbrechenden Knödel und des bevorstehenden Essens. Ach, war das jedes Mal wieder eine wunderschöne Aufregung. 



 
Manchmal dachte sich der große Riese, schon allein wegen der großen Freude, die der kleine Riese an der Zubereitung hatte, sollte er ihm die Freude doch öfter bereiten. 

Wenn die zerbrochenen Steine unten lagen, stiegen sie hinab, stopften die Teile in ihre riesigen Taschen und schleppten das wertvolle Gut unter Ächzen und Schnaufen in ihre Höhle. 


 
 
Mit leuchtenden Augen sah der kleine Riese zu, wie der große Riese ein Feuer entfachte und die Steinknödelteile röstete. Dazu gab es dann manchmal Pilzallerlei. Dabei entstand ein unbeschreiblich guter Duft nach Zuhause- und Zusammensein.

  
Der kleine Riese holte zwei Teller aus dem Schrank und deckte den Tisch. 


  
Im schwachen Schein des Mondes und einer Kerze saßen sie dann zusammen und aßen schwatzend die dampfenden Röststeinknödel und das Pilzallerlei. Wenn dann nicht mehr ein einziger Krümel auf den Tellern war saßen sie noch eine Weile glücklich und zufrieden zusammen, bis der große Riese den kleinen müden Riesen in sein Blätterbett legte und ihm eine geruhsame Nacht wünschte.



 Ende
  
W 

Mittwoch, 5. November 2014

stutenmännchen - feingemacht













 
Irgendwie habe ich mich erst vor etwa einer Woche vom (Altweiber)Sommer verabschiedet und lasse so langsam den Herbst hinein: Heizung ist an (aber nur abends), Kerzen brennen (auch nur abends), es regnet und stürmt viel (nur draussen), hier gibt’s schon Kohl und so (zum essen). Ganz besonders merke ich den Herbst dann, wenn ich Lust bekomme zu backen und das ist gaanz selten. Vermehrt allerdings im teils ungemütlichen, manchmal auch gemütlichen und dunklen Herbst und im Winter. Backen hat für mich etwas mit Gemütlichkeit und Heimeligkeit zu tun. Wenn die Küche und alle anderen Räume so nach Backwerk duften, dann ist die Adventszeit und die Weihnachtszeit nicht mehr fern. Dann bollert hier oft der Ofen, auch für Maronen, Ofenkartoffeln, Schmoreintöpfe oder anderen herzhafte Sachen. Insofern ist der Herbst und der Winter doch recht schön - wenn ich's mir recht überleg'. Da ja bald Martinstag ist hab ich mal diese leckeren, saftigen Stutenmännchen gebacken mit einem Hauch Zitronenaroma. Und bald wird hier auch ein Ganserl im Ofen landen, denn es ist ja auch bald Martinsganserlzeit. Schön mit Rotkraut und Knödeln. Aber vorerst gibt’s hier die feingemachten Stutenmännchen, Hefekerle, Brötchenpuppen, Teigmännli (und wie sie alle heißen) mit Butter drauf. Und dann ab zum Laternenfest.

Habt einen schönen kuscheligen Abend !

Dienstag, 14. Oktober 2014

il dolce far niente















© vom söhnchen gemacht






getrocknete sardinen - in the making












© vom söhnchen gemacht









arrivederci lago di garda
W
 
Der prächtige und warme Altweibersommer hat mich noch kürzlich (im Oktober) dazu gebracht wieder in luftigen Röckchen, ärmellos und in Sandalen herumzulaufen und somit möglichst lange das Sommergefühl aufrechtzuerhalten. Dazu gehört auch mich möglichst viel draußen aufzuhalten: bis spät Abends draußen im Café zu sitzen oder mit einem Teller Pasta über die Straße zum Rhein zu gehen und dort mit einem Glas Wein das Leben zu genießen. Die Sonne schimmert golden über den Fluß, ich liege im Gras und bin schlicht und ergreifend – mehr ergreifend, denn schlicht – glücklich. Und habe dabei Gedanken und Gefühlschnipsel von Italien: der Duft von Oleander, das Plätzchen von Wasser, ein Teller Pasta und Wein. Eigentlich nicht allzu viel anders wie hier in Köln. Das süße Leben gibt es eben überall, wenn man es lebt. Mein buntes, quirliges Eckchen, wo ich wohne, in dessen Mitte ein Café ist, wo immer was los ist, die Nähe des Rheins, die Menschen, die man mittlerweile kennt und die Menschen, die man neu kennenlernt. Köln ist Italien. Irgendwie. Italien ist überall. Und Italien ist in meinem Herzen. Die Bilder von unserem diesjährigen Sommerurlaub tun ihr übriges. Und ein Teller mit duftenden Spaghetti all'amatriciana setzen dem ganzen ihr Krönchen auf. Köln ist Italien. Italien ist überall. Man muß es nur finden und leben. Habt Ihr auch Euer Italien zuhause? 

Ciao
 W Eure la petite cuisine W